Die ReferentInnen des Abends mit Vertretern der Wirtschaft, Landtagspräsident Max Hiegelsberger (3. von links), IV-Geschäftsführer Joachim Haindl-Grutsch (rechts) und Moderatorin Christine Haiden (2. von rechts): (von links): Christian Paulik, Rebeka Früholz, Greiner AG Vorstandsvorsitzende Saori Dubourg, Katrin Fradler, Rudolf Wölfer von Borouge International und Gernot Zitzenbacher

Kreislaufwirtschaft als Industriechance: OÖ Landtag zu Gast bei der Greiner AG in Kremsmünster

Wirtschaft & Innovation · Kremsmünster, 18. Mai 2026

Weltweit werden jährlich 400 Millionen Tonnen Kunststoff produziert, in Europa verbraucht jede Person rund 120 Kilogramm pro Jahr. Das verfügbare Recyclingmaterial für Lithium-Ionen-Batterien wächst jährlich um 80 Prozent. Und ein Eurovision-Songcontest-Becher kann vollständig aus recyclierten Materialien bestehen. Diese Zahlen und Beispiele standen im Mittelpunkt des dritten Termins der Veranstaltungsreihe „Raus aus der Nebelzone – Wissenschaft bringt Orientierung” des Oö. Landtags, der am 18. Mai 2026 am Campus der Greiner AG in Kremsmünster stattfand.

Am Beispiel Greiner AG sieht man ganz klar, wie sehr die Lebensqualität in unseren Regionen von guten Arbeitsplätzen und erfolgreichen Unternehmen profitiert. Nur eine enge Zusammenarbeit zwischen industriellen Anwendern und der Forschung kann den Standort, wirtschaftlichen Erfolg und Wohlstand absichern. Wissenschaft ist eine feste Säule unseres Erfolgsmodells in Oberösterreich.

Landtagspräsident Max Hiegelsberger (ÖVP), Oö. Landtag


Von Plastikmüll bis Batterie-Metall: Forschung macht Kreisläufe möglich

Vier Forschungspräsentationen zeigten den rund 90-minütigen Abend hindurch, wie weit die Wissenschaft beim Schließen von Stoffkreisläufen bereits ist — und wo die größten Herausforderungen liegen.

Kunststoffrecycling: Univ.-Prof. DI Dr. Christian Paulik vom Competence Center CHASE (JKU Linz) beleuchtete die Dimensionen der Herausforderung: Der Großteil des produzierten Kunststoffs besteht zwar nur aus wenigen Materialarten, die mehrlagige Konstruktion moderner Verpackungen macht die Wiederaufbereitung jedoch komplex. FH-Prof. Gernot Zitzenbacher (FH OÖ, Fachbereich Werkstofftechnik) ergänzte mit Simulationsforschung: Wenn Maschinen im Recyclingprozess — etwa Förderschnecken beim Aufschmelzen — auf Basis simulierter Mischungsverhalten optimal eingestellt werden können, steigt die Effizienz deutlich.

Batterie-Recycling: Dissertantin Rebeka Früholz (COMET-Modul „FuLIBatteR”) zeigte, wie Bakterien in wässrigen Lösungen die in Lithium-Ionen-Batterien verbauten Metalle herauslösen und wieder nutzbar machen können. Angesichts des jährlich um 80 Prozent wachsenden Recyclingmaterials könnte Europa seine Importabhängigkeit bei Batterie-Rohstoffen massiv reduzieren.

Holz- und Brillenabfälle: Dr. Katrin Fradler vom Kompetenzzentrum Wood K Plus (Interreg-Projekt „InterWASTE”) präsentierte, wie Reststoffe aus der Brillenproduktion nach Sortierung und Aufbereitung als Schleifscheiben oder Composite-Werkstoff für Badewannen und Waschtische eingesetzt werden können — ein anschauliches Beispiel für geschlossene Kreisläufe durch Unternehmens-Forschungs-Kooperationen.

Eurovision-Becher als Symbol der Materialrevolution

In der abschließenden Talkrunde brachten Greiner-AG-Vorstandsvorsitzende Saori Dubourg und Rudolf Wölfer (Borouge International) einen konkreten Beleg mit: Der Becher des Eurovision Song Contests 2026 wurde in einer Kooperation beider Unternehmen aus vollständig recyclierten Materialien hergestellt. Die Botschaft dahinter: Die nächste industrielle Revolution muss nicht nur digital, sondern auch materiell sein. Europa biete die Chance, mit dem kommenden Advanced Material Act der EU führend in der fortschrittlichen Materialwirtschaft zu werden — ein klarer Wettbewerbsvorteil gegenüber Regionen, die ihre Rohstoffabhängigkeit noch nicht adressiert haben.

Zielführende politische Debatten brauchen eine allgemein anerkannte Wissensbasis — ansonsten sind keine Lösungen möglich. Wissenschaftliche Erkenntnisse von Falschbehauptungen und Fake News zu trennen, wird immer mehr zu einer entscheidenden Kompetenz.

Landtagspräsident Max Hiegelsberger (ÖVP), Oö. Landtag

„Raus aus der Nebelzone” — Veranstaltungsreihe des Oö. Landtags

  • Veranstalter: Oö. Landtag, Partner: UAR Innovation Network & Industriellenvereinigung OÖ
  • 3 Abendtermine pro Jahr (90 Min.), Auftakt: 27. März 2025 in Linz
  • Themen: Forschung mit direktem Praxisbezug (Pflege, Mobilität, Landwirtschaft, Kreislaufwirtschaft)
  • 3. Termin 2026: 18. Mai 2026, Greiner AG Campus Kremsmünster
  • Alle Präsentationen: ooe-landtag.at/wissenschaft